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Das Leben an verlassenen Orten

 

 
 

25. April 2009 | 00:05 Uhr | von Hans-Georg Taken


Eine verlassene Burg bei Bitburg, ein ausgestorbenes Hotel in der Eifel, eine leerstehende Schmiede auf Rügen oder die verwaiste Lederfabrik in Grabow - solchen Orten wird wieder Leben eingehaucht, wenn das Künstler-Duo STEPHAN und VERENA sie erst einmal entdeckt hat.

 

photo
Das Künstler-Paar
STEPHAN und VERENA.
Die alte Lederfabrik in Grabow
wird jetzt für eineinhalb Jahre
ihr Zuhause sein.
Photo: Hans-Georg Taken
   
 

GRABOW - Hinter der wuchtigen Stahltür steht ein grauer, dickbäuchiger Heizkessel, der schon lange keinen Rauch mehr durch den Schornstein bläst und heiße Luft durch Rohre drückt, die sich an rußgeschwärzte Wände klammert. Das Feuer ist erloschen, das alte Heizhaus nicht mehr als ein Teil einer Fabrikruine, die es kaum noch schafft, dem Verfall Widerstand zu leisten. "In diesem Raum können wir uns Ton- und Feuereffekte, Nebel-Generatoren und farbiges Licht vorstellen", sagt die Frau, die in diesem Ambiente wie ein Fremdkörper wirkt. Blauer Hut, orangefarbener Rollkragen-Pulli, blaue Jeanshose - so steht sie in dieser Staub überzogenen, morbiden Szenerie und spricht davon, dass dieser Teil der Ausstellung vielleicht "Fegefeuer" oder "Arbeit" heißen könnte. Die Frau heißt Verena und stellt keine großen Ansprüche. Schön sei es aber, sagt sie, wenn ihre Namen in Großbuchstaben geschrieben werden könnten. STEPHAN und VERENA. Nicht mehr, nicht weniger. Kein Nachname, kein fester Wohnsitz, kein gewöhnliches Leben.

Immer unterwegs und manchmal ohne Strom
Tisch, Stühle, Bett, das besorgen sich die beiden Künstler immer vor Ort, alles was sie für die Arbeit brauchen, passt in 33 Bananenkisten. Kabel, Steckdosen, Lampen; Stichsäge, Schweißgerät, Theatertuch - die randvollen Pappkartons stapeln sich parterre in einer Ecke der Weißen Villa, die vormals Verwaltungsgebäude der Lederfabrik Staude war, später zur schicken Altbauwohnung umgebaut wurde und jetzt das vorübergehende Zuhause des Künstler-Duos ist. "So luxuriös wohnen wir nicht immer", sagt VERENA, die die vergangenen 16 ihrer 39 Jahre mit ihrem Partner durch Deutschland und Südeuropa reiste, immer auf der Suche nach Orten, wo sie arbeiten, leben und ausstellen können. Manchmal fehlte der Strom, manchmal das fließende Wasser. In Grabow haben sie beides, und vor drei Jahren frisch renovierte Räume auf zwei Etagen noch dazu. Die hat ihnen der neue Besitzer der alten Fabrik kostenlos überlassen. "Er hat sich mit unserem Konzept beschäftigt und fand es wohl gut", sagt STEPHAN, der über eine Immobilienseite im Internet auf die Fabrik in Grabow aufmerksam wurde.

Projekt-Eröffnung ist für Frühjahr 2010 geplant
Doch was ist das Konzept der Beiden, die im Nordschwarzwald aufgewachsenen sind und die pädagogische Hochschule Karlsruhe besuchten ? "Wir wollen leer stehende Räumlichkeiten zu neuem Leben erwecken und der Öffentlichkeit zugängig machen", sagen die Badener. Theater, Konzerte, Performances, Erlebnisgastronomie, dies alles sei vorstellbar. Was genau passieren wird, "das wird sich noch ergeben. Immerhin sind wir ja jetzt erst gut zwei Wochen hier", sagt STEPHAN. Von Art und Größe der Lokalität hängt auch die Aufenthaltsdauer der Künstler ab. "Die Lederfabrik ist so riesig, dass wir erst im Frühjahr 2010 die Ausstellung, die dann rund ein halbes Jahr dauern wird, eröffnen werden", sagt VERENA.

Ein kurzer Ruck, und die Tür des Heizhauses fällt quietschend ins Schloss. Sonnenlicht scheint in den kleinen Innenhof, der von hohen Backsteinmauern und der Rückseite des Verwaltungsgebäudes eingerahmt ist. Mittendrin ein schmaler Baum, der Frühlingsgrün trägt. Drüben, wo das Fabrikareal an der Wasserstraße an die Klinkerwand des ehemaligen Aldi-Gebäudes stößt, liegen zusammengekehrte Schutthaufen aus Mörtel und Putz, Schnapsflaschen und Kronkorken. Die Gäste auf Zeit haben angefangen, das Gelände, das für einige nicht mehr als eine Müllkippe ist, zu reinigen. Nadellose Tannenbäume, die Weihnachten noch stolz in Wohnzimmern standen, liegen in einer Ecke. "Die sind auch über die Außenmauer geworfen worden. Die werden wir in irgendeiner Form in die Ausstellung einbauen", sagt VERENA. Vorhandenes, gefundenes, ausrangiertes Material, das wird verwendet, denn das gehört auf seine Art mit zur Geschichte eines Ortes. Und diese Geschichte wollen die Künstler mit Hilfe von zeitgemäßen Medien wie Video, Audio, Licht oder Computer erzählen. Sie wollen die Menschen aus der Umgebung mit auf eine interaktive Reise nehmen, wollen zeigen, dass verlassene Gebäude kulturell, wirtschaftlich und touristisch aufgewertet werden können, und sie wollen einen Kommunikations-Treffpunkt schaffen.

Bevor das Projekt in der 1817 gebauten und 1877 erweiterten Lederfabrik HG Staude beginnt, wollen sich die Kunstschaffenden in Grabow vorstellen. Am 29. Mai, 19 Uhr gibt es eine Vernissage im Erdgeschoss der Weißen Villa. STEPHAN und VERENA zeigen und erklären ihre Bilder, die ausschließlich gemeinsam bei vorherigen Projekten entstanden sind. Die Menschen, die sie in Grabow schon kennen gelernt haben, seien aufgeschlossen. "Und die Stadt strahlt eine entspannte Ruhe aus", ist sich das Duo einig. Berührungsängste hat es nicht, im Gegenteil: "Egal wo wir sind, wir wollen uns immer ganz auf die Umgebung einlassen und viele neue Leute kennenlernen." Nur keine Scheu, die beiden meinen es genau so, wie sie es sagen.

 
     
   
Grabower Amtsanzeiger
   
 

 

5. Jahrgang / Augabe 5 / Freitag, den 8. Mai 2009
 
   

Frischer Wind in der Weißen Villa
dem Kontor-Haus der ehemaligen Lederfabrik

Gesprächsabend und Vernissage am 29.Mai mit dem Künstlerpaar STEPHANundVERENA zum Kunstprojekt in der Alten Lederfabrik und der Weißen Villa.

Der Dornröschenschlaf der ehemaligen Staud‘schen Lederfabrik und des dazugehörigen Verwaltungsgebäudes „WeißeVilla“ in der Wasserstaße in Grabow am Hafen ist endlich vorüber. Der neue Eigentümer hat die Räumlichkeiten dem Karlsruher Künstlerpaar STEPHANundVERENA zur Verfügung gestellt, um ein Kunstprojekt zu konzipieren, organisieren und in Realität umzusetzen.
Voller Elan startete das Künstlerduo, hocherfreut über die interessanten Bauwerke, die reizvolle Kleinstadt und die schöne Umgebung mit freundlichen Menschen Anfang April, die
Villa, die Fabrik und das Gelände aufzuräumen und zu säubern.
Die Beiden möchten die Stadt Grabow mit ihrem künstlerischen Engagement bereichern.
Geplant ist ein Kunstprojekt, das nach Fertigstellung dem Ausstellungsbesucher ermöglicht, einen Kunstrundgang durch die lange leerstehenden Räumlichkeiten der Fabrik und der Weißen Villa zu erleben. Die Kunstwerke, Raumm-/Videoinstallationen, Objekte und Bilder werden vor Ort in Grabow entstehen.
Um ihr Vorhaben der Öffentlichkeit näher zu bringen , laden STEPHANundVERENA zu einem Gesprächsabend und Vernissage ihrer ersten Grabower Bilderausstellung mit Monotypien, die sie von vorangegangenen Kunstprojekten mitgebracht haben, ein. Die Veranstaltung findet am Freitag, den 29. Mai 2009 um 19.00 Uhr in der Weißen Villa in der Wasserstraße 7 in 19300 Grabow statt.
Willkommen sind alle Interessierten, Nachbarn, Presse und einfach Neugierige, um STEPHANundVERENA und ihre Kunstidee kennenzulernen. KUNST in der Weißen Villa kann ab dem 29. Mai 2009 jeden Samstag besucht werden. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen über das Künstlerpaar unter: www.STEPHANundVERENA.de

S+VbeimPutzen



 
  noch Amtsanzeiger: Erfolgreiche 5. Runde des Grabower Radrennens      
   
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  29.05.2009: LK Ludwigslust/MVregio      
   

Landrat Christiansen begrüßt neue Künstler im Landkreis

Am 27.05. besuchte Landrat Rolf Christiansen die Künstler STEPHANundVERENA in ihrem neuen Domizil in Grabow und hieß sie im Landkreis Ludwigslust herzlich willkommen.
Der Landrat zu Besuch Foto: LK Ludwigslust
Landrat Christiansen im Gespräch mit den Künstlern STEPHANundVERENA

Rechtzeitig zu Pfingsten und dem schon zur Tradition gewordenen Kunst Offen eröffnen die beiden Künstler im Weißen Haus in Grabow (Wasserstraße 7) am heutigen Freitag, 29.05. ihre Vernissage.

Geplant ist eine großangelegte Ausstellung im Gebäudekomplex des Alten Lederwerkes, in dem Kunstinstallationen mit zeitgemäßen Medien, kombiniert mit regionalen Materialien und einer bildnerischen Umsetzung, die ein spezielles Thema aufwerfen und mit professioneller Beleuchtung in Szene gesetzt werden. Darüber hinaus komplettieren moderne Bilder mit regionalem und überregionalem Bezug die Ausstellung.
Die beiden Karlsruher Künstler STEPHANundVERENA verstehen Kunst als Erlebnis und als Kommunikationspunkt und nehmen den Besucher mit auf eine thematische Reise, in dem jeder sich davon überzeugen kann, dass Kunst nicht weh tut und auch durch die individuelle künstlerische Raumgestaltung erlebbar gemacht werden kann.

"Das künstlerische Leben im Landkreis Ludwigslust hat sich in den vergangenen Jahren immer weiterentwickelt und bekommt nun wieder neue Impulse. Ich freue mich, dass zwei junge Künstler den Weg nach Grabow gefunden haben und sich für eine nachhaltige Stärkung der kulturellen Szene einsetzen. Die zur Selbstreflexion anregende Ausstellung von Stephan und Verena ist eine weitere Bereicherung für die Region und fügt sich hervorragend in das Motto des Landkreises "Raum für Zukunft mit Lebensqualität" ein. Dies gilt es ausdrücklich zu unterstützen", so Landrat Christiansen.

 

   
  SVZ - Dienstag, 26.Mai 2009      
 

SVZankündigung

   
  svz Dienstag, 2.Juni 2009    
 
SVZnachbericht
 
   
 

Lieblingsmoderator Hans Joachim Wolfram zu Gast bei Künstlern

 
 

Dieses ist schon eines der außergewöhnlichen Erlebnisse, habe er beim Betreten der von den Künstlern STEPHANundVERENA wiederhergerichteten Räumlichkeiten seinem Aufnahmeleiter zugeraunt, so Hans Joachim Wolfram, Moderator der Kultsendereihe "Außenseiter-Spitzenreiter". Ein Zuschauer hat uns darauf hingewiesen, dass sich hier in Grabow ein Künstlerpaar auf Wanderschaft für kurze Zeit niedergelassen hat und so die sonst leerstehenden Gebäude eine temporäre Nutzung erfahren. Aber mit einem so noblen Ambiente habe er nicht gerechnet, so Wolfram weiter.
Der 1915 erbaute, 1996 renovierte und nun von den Künstlern „Weiße Villa“ getaufte Verwaltungssitz einer ehemaligen Lederfabrik, gab den Künstlern die Inspiration, die repräsentative und herrschaftliche Stimmung diese Gebäudes in ihre Bilder einfließen zu lassen und in ihren Rauminstallationen auf eben dieses Thema einzugehen.
Das ist unsere Chance, so STEPHANundVERENA, an immer komplett verschiedenen Orten unvoreingenommen auf die Begebenheiten eingehen zu können und so vor Ort mit Menschen in Kontakt zu kommen und mit den dort vorgefundenen und gesammelten Materialien Collagen und Installationen zusammenzubauen.
foto:mdrSeit 30 Jahren ist nun Hans Joachim Wolfram, auf einen Tipp seines Fernsehpublikums hin, unterwegs zu den ungewöhnlichen und besonderen Menschen unserer Gesellschaft, mit außergewöhnlichen Fähigkeiten oder einfach nur einer besonderen Idee. Das bringt natürlich auch immer die Spannung des nicht Wissen was Einen erwartet mit sich. Und genau hier ist interessanterweise die Überschneidung mit den zwei aus dem Nordschwarzwald stammenden Künstlern STEPHANundVERENA zu finden. Statt die spontan geführte Reportage bei Wolfram, erwartet sie ein leeres Haus, von welchem sie die alten Geschichten erforschen wollen, allerlei Materialien, die mit einem Sinn zusammengebaut und präsentiert werden wollen und neugierige Menschen, die ihnen von den Begebenheiten von Damals und auch Heute berichten und ihnen den spannenden Stoff erzählen, aus dem ihre Ausstellungen gestrickt sind. Ob die Geschichten von Hexen oder Seuchen wie der Pest oder vom Alltag einer Krankenschwester handeln, die beiden Künstler versuchen einen Bogen mit ihrer Kunst zu spannen, von der Historie in die Gegenwart und sogar in die Zukunft, von kleinen Dörfchen bis hinaus in die weite Welt und in das Universum.
Die Ausstellungen sind unter http://STEPHANundVERENA.de dokumentiert. Der Beitrag ist für die Sendung „Außenseiter- Spitzenreiter“ im MDR- Fernsehen am 26.08.2009 eingeplant.

 

Foto: Media Effekt TV
Hans Joachim Wolfram im Gespräch mit den Wanderkünstlern STEPHANundVERENA

 
     
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Samstag,11. Juli 2009 | 00:10 Uhr | von Hans-Georg Taken

 
 

Vom Kunstprojekt zum Streitobjekt

 
 

Statt Kunst gibt es Knatsch in Grabows Weißer Villa. Der Besitzer, der seinen Gebäudekomplex zwei Künstlern zur kostenfreien Nutzung überlassen hat, ist bisher keinen Zahlungsverpflichtungen nachgekommen. Auch die Nebenkostenrechnung ist offen. Die Stadtwerke haben nun Gas und Wasser abgestellt. Das Künstler-Duo STEPHAN&VERENA sitzt jetzt auf dem Trockenen - und fühlt sich insbesondere von der Stadt im Stich gelassen.

 
 

GRABOW - Hätte er gewusst, wie sich diese Sache entwickeln würde, sagt Immobilienmakler Andreas Timm, dann wäre er nie als Kontaktperson eingetreten. Da waren die beiden Künstler, die auf der Suche nach einem interessanten Ausstellungsort für ihre Projektideen waren. Da war dieses alte Lederwerk nebst Villa in Grabow, das er im Auftrag eines Kunden verkauft hat. Und da war der neue Besitzer, der von der Idee angetan war, dass zwei Künstler bis Ende 2010 in seiner neu erworbenen Immobilie wohnen und arbeiten. "Kostenlos. Darauf hat uns der neue Besitzer die Hand gegeben", sagt Verena. Und der neue Besitzer hat den beiden Anfang April auch die Schlüssel gegeben. Danach wurde er nicht mehr gesehen.


Bürgermeister Ulrich Schult (r.) diskutiert mit STEPHAN&VERENA (l.). Auf einen gemeinsamen Nenner kommen sie nicht.Photo: Hans Taken


Kostenlose Kunst in der Weißen Villa, dazu eine spätere Ausstellung in den Räumen der schon lange verlassenen Lederfabrik - dieses Konzept hörte sich gut an und fand schnell Anhänger. Der Bürgermeister freute sich über den künstlerischen Besuch, brachte er doch unverhofft Farbe in dieses triste Ruinen-Areal in der Nähe vom Stadthafen. Und selbst Vertreter des Landkreises waren angetan vom neuen Leben an diesem verlassenen Ort. Auch die Grabower waren neugierig - und kamen in Scharen. Zur Vernissage waren es 100 Gäste, zur Aktion "Kunst offen" schon 200. Alles lief gut, bis zu dem Tag Mitte Juni, als die Männer von den Stadtwerken zum ersten Mal das Wasser abdrehen wollten. Seit Donnerstag ist der Hahn nun endgültig zu, seit gestern ist auch das Gas abgestellt. Die Nebenkosten-Rechnungen, so Wulf-Peter Bosecke, Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigslust-Grabow, seien seit Oktober nicht bezahlt worden. "Das wundert mich nicht", sagt Michael Lorenz. Seit er den Gebäudekomplex im August vergangenen Jahres verkauft hat, habe auch er noch keinen Cent vom neuen Besitzer gesehen.

"Da sind wir alle hereingefallen", sagt Künstlerin Verena. Geht es nach den Stadtwerken, dann sollen jetzt sie und ihr Partner als Nutzer der Gebäude für die offenen Nebenkosten ab April aufkommen. "Wir können nichts dafür, dass der Besitzer nicht zahlt. Wir zahlen auf keinen Fall", sagt die 39-Jährige, die mit ihrem Partner in den vergangenen 16 Jahren rund 15 Großprojekte im In- und Ausland durchführte. Voraussetzung für ihr kostenloses künstlerisches Engagement sei immer, dass sie die Örtlichkeiten auch kostenlos nutzen können. Inklusive der Nebenkosten. "Und da wir uns hier in Grabow nicht nur auf den Besitzer verlassen wollten, haben wir schon im April einen Antrag auf Projekt-Förderung bei der Stadt gestellt, auf ein Ergebnis warten wir aber immer noch. Bürgermeister und Landkreis haben uns immer Unterstützung zugesagt, doch plötzlich ist nichts mehr so, wie es uns versprochen wurde", sagt Verena.

"Der Bürgermeister sagte, das kriegen wir schon hin"
Beim Grabower Stadtfest am vergangenen Wochenende gehörten STEPHAN&VERENA zum Programm. Ihre Namen standen auf den Werbeplakaten. Doch fast hätte das Duo die Türen erst gar nicht mehr geöffnet. "Wir wollten packen, denn uns ist in der Zwischenzeit schon einmal das Wasser abgedreht worden. Doch der Bürgermeister versicherte uns einen Tag vor dem Fest, dass ab dem 6. Juli die Stadt als Projektförderer mit Hilfe des Landkreises die Nebenkosten für die Zeit bis zum Jahresende übernehmen wird", sagt Stephan, der in diesem Gespräch noch einmal darauf hingewiesen habe, dass sie sich aber nicht als Nutzer eintragen lassen werden. "Der Bürgermeister sagte, das kriegen wir schon hin."

"Was da alles genau gesagt wurde, das weiß ich nicht mehr genau", sagte Grabows Bürgermeister Ulrich Schult gestern. Vielleicht habe er sich zu weit aus dem Fenster gelehnt, "aber Fakt ist, dass wir helfen wollen, eine Projektförderung von unserer Seite aber nur möglich ist, wenn die Künstler sich als Nutzer eintragen lassen", so Schult. Die Eigentumsverhältnisse seien derzeit schwierig, die Stadtwerke bräuchten einen Vertragspartner. Dieser dürfe aber nicht die Stadt Grabow sein. "Da machen wir nicht mit", sagen die Künstler. Das Tuch ist zerschnitten.

"So etwas wie hier ist uns noch nie passiert. Unsere Eigenleistung ist unbezahlbar, die Stadt hat einen neuen Anziehungspunkt bekommen. Und jetzt das. Wir fühlen uns herausgeekelt und werden als Schmarotzer dagestellt", sagen die Künstler, die ihr ursprüngliches Projekt in Grabow als beendet ansehen. Die Weiße Villa hat heute noch geöffnet. Offen ist auch, wie es dann weiter geht.

 
 




Juli 2009
 

Kunstprojekt in Schwierigkeiten

 
Erklärung von STEPHANundVERENA zu den Vorfällen im Zusammenhang mit der Projektfortführung in der Weißen Villa und der Lederfabrik
 
 

Wir, STEPHANundVERENA starteten das Kunstprojekt in der Alten Lederfabrik inklusive Weißer Villa in Grabow im April, um unser Engagement und honorarfreie Arbeit hier in Grabow einzubringen, wurden sehr freundlich aufgenommen und bei unserer ersten Aktion, der Vernissage in der Weißen Villa, von den zahlreich gekommenen Grabower Bürgern begrüßt. Die gesamte Kunstaktion war von Anfang an eine Bereicherung für die Stadt Grabow. Abgesehen von der Kunst, hat sich unsere Ausstellung als Treffpunkt geschichtsinteressierter und heimatverbundener Grabower und sogar Weggezogener entwickelt. Für Touristen, die hier am Hafen recht häufig vorbeikamen, waren wir eine wertvolle Informationsquelle. Die Presse reagierte ebenfalls sehr wohlwollend und Hans Joachim Wolfram vom mdr- Fernsehen zeigte sich hier vor Ort beim Dreh einer Reportage mit STEPHANundVERENA sehr beeindruckt. Wir waren deshalb der Meinung, dass unser uneigennütziges und nicht kommerzielles Engagement durch eine Kulturförderung seitens der Stadt honoriert werden sollte und reichten deshalb schon am 21. April einen formlosen Antrag für die Übernahme der Betriebskosten des Projekts bei der Stadt ein, auf den wir bisher keinerlei schriftliche Stellungnahme bekamen.

Bevor wir die zweite Phase unseres Projekts beginnen konnten, die ursprünglich bis Herbst 2010 geplant war, stellten sich Probleme mit den Versorgern ein, da unser Ansprechpartner, der neue Eigentümer, die Nebenkosten nicht wie vereinbart zahlte und die Stadtwerke uns ohne Vorwarnung am 16.Juni das Wasser abstellen wollten. Darauf folgten einige Gespräche mit dem Bürgermeister, der sich immer offen und zuversichtlich gab, keine Probleme sah und uns Unterstützung zusagte. Doch das Wasser wurde trotzdem erstmals am 19.Juni abgestellt.
Auch der von uns kontaktierte Landrat hieß das Projekt für unterstützungswürdig und sagte die finanzielle Unterstützung des Projekts zu, wenn die Stadt die Rolle als Veranstalter übernehme. Parallel dazu führten wir Verhandlungen mit dem Altbesitzer, der uns die pachtfreie Nutzung der Räumlichkeiten im Falle einer Rückführung des Besitzes bis zum 31. Dezember zusicherte.

Wir sahen zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit, das Projekt vor Beginn der weiteren Arbeiten für die Fabrik abzubrechen und machten mit dem Bürgermeister den 6. Juli zum Stichtag der Entscheidung über eine Fortführung des Projekts.
Am Freitag vor dem Stichtag führten wir dann ein abschließendes Gespräch mit dem Bürgermeister und dem Referenten des Landrates, der uns im Auftrag des Landrats die Finanzierung über Förderung zusicherte und der Bürgermeister uns erklärte, die Stadt würde als Veranstalter fungieren und die Übernahme der Betriebskosten mit den Stadtwerken klären.

Daraufhin setzten wir wieder unsere Bemühungen um die Weiterführung des Projekts in der Fabrik fort, fingen an Konzepte für die Raumgestaltung zu entwickeln, säuberten Teile der Fabrik, füllten Förderanträge aus, holten Angebote von beteiligten Firmen ein, machten Termine mit potentiellen Sponsoren und informierten die wieder zahlreich kommenden Besucher der Weißen Villa während des Stadtfestes vom 3.-5. Juli über die Fortführung des Projekts.

Am Morgen des 9.Juli drehten die Stadtwerke dann wieder das Wasser ab und wir informierten Presse, Bürgermeister und Landrat und erörterten im gemeinsamen Gespräch die Situation. Allerdings mit wenig Erfolg, da der Bürgermeister eingestand, Fehler gemacht zu haben und das Wasser abgestellt blieb.
Am Nachmittag dann besuchte uns abermals der Bürgermeister, diesmal begleitet von seiner ersten Beigeordneten, die uns eine Scheinlösung des Problems vorschlug, welche sie mit dem Landrat zusammen aufgestellt habe. Und diese war die Ausgangsposition, an der wir vor 3 Wochen unsere Verhandlungen begannen! Zusätzlich behauptete sie, ohne unser Arbeitsprinzip zu kennen und Kenntnis vom Konzept der Ausstellung zu haben, wir als Künstler würden die Bürokratie nicht verstehen und hätten Formulare nicht vollständig ausgefüllt und warf uns vor, das Wasser für private Zwecke zu gebrauchen.

Positiv möchten wir das Bemühen von A. Scharfschwerdt, Referent des Landrates, uns gegenüber erwähnen und auch die Zusage des Landrats, unsere Aktion zu unterstützen. Dass die Stadt Grabow, mit welchen Vertretern auch immer, nicht fähig ist, sich darum zu kümmern, dass wenigstens die Wasserversorgung gewährleistet ist, empfinden wir als Armutszeugnis, nicht sehr gastfreundlich und nach den Unwahrheiten, die uns in den geführten Gesprächen vorgeworfen wurden und dem Nichteinhalten von mündlichen Abmachungen, möchten wir keine Zusammenarbeit mehr mit ihr eingehen. Wir haben von Anfang an gesagt, bei allen Unwegbarkeiten, offen und ehrlich zu allen Beteiligten zu bleiben und wir stehen und standen zu jeder Zeit zu unserem Wort.

 
 

 

 

 
 

Nochmals betonen möchten wir an dieser Stelle, dass wir das Projekt NICHT wegen finanziellen Problemen, sondern wegen des Wortbruchs seitens der Stadt beendet haben!

Sonntag, 19. Juli 2009
Nachdem wir nun 10 Tage vergebens auf eine Entschuldigung der Stadt Grabow oder eine Bemühung, außer der Informationseinholung von Christian Sternberger, zur Kontaktaufnahme oder wenigstens auf die Wiederherstellung der Wasserversorgung gewartet haben, bauten wir unsere Ausstellung in der Weißen Villa zurück und erklären dieses Projekt als beendet. Da uns aber die Räumlichkeiten noch zur Verfügung stehen, werden wir uns von hier aus in der nächsten Zeit nach einem geeigneten neuen Projektort umschauen.

Wir entschuldigen uns nocheinmals bei den Grabowern, dass wir nicht die geplanten Aktionen in der Lederfabrik durchführen konnten und bedanken uns auch für das aktive Mitdenken unserer Besucher. So kamen Ideen für Veranstaltungen wie eine besondere Kinovorführung, Theateraufführungen, Kindertheater, Konzert mit Chady Seubert, DADAperformance, AYA III Trio mit seinem Programm "action gema frey", die wir gerne in unseren Räumlichkeiten durchgeführt und organisiert hätten. Das wäre ein toller Kultursommer geworden, hier in Grabow.

Bleibt immer wachsam und am Ball. Und keine Angst, we keep on rocking!
STEPHANundVERENA